Moskauer Gespräch „Jugend, quo vadis? – Die Generationen Z und Alpha in Russland und Deutschland“

„Klickgeneration, flexibel, kreativ, frech, schnelllebig, schnelldenkend, work-life-balance-orientiert, keine Entbehrungen gewohnt“ sei die Generation Z – das waren einige der ersten Assoziationen der 101 Zuschauer beim Moskauer Gespräch ONLINE am 16. November.

„Jugend, quo vadis? – Die Generationen Z und Alpha in Russland und Deutschland“ erwies sich als ein Gesprächsthema, bei dem jede*r der Teilnehmenden eigene Erfahrungen und Meinungen mitbrachte. Zugleich fand das Publikum für sich heraus, dass es zu 95% die vorhergehenden Generationen repräsentierte. Pauschalisierungen und Stereotype waren daher die Tretmienen dieses Themas, darüber waren sich alle einig. So war es die Leistung der Expert*innen Dina Sokolowa (MIREA), Elena Zloteanu (Hochland), Franziska Metzbaur (Jugend gründet) und Stepan Kostezkiy (lenta.ru) die vorherrschenden Eindrücke durch belastbares Wissen zu stützen, zu differenzieren und, wo nötig, zu korrigieren.

Tatendrang, Gestaltungswille und Werte-Orientierung seien Kennzeichen der Post-Millennials. Geprägt durch das Internet verbänden sie Weltoffenheit mit einer gewissen Populimusaffinität. Im Zeitalter der „Post-Wahrheit“, der verkürzten Botschaften und der gesteigerten emotionalen Trigger seien die Verführbarkeit und das „den Dingen nicht auf den Grund gehen“ ein ernstzunehmendes Risiko.

Zugleich machten sich auch innerhalb der einzelnen Jugend-Generationen weiterhin soziale Unterschiede und ungleiche „Startchancen“ bemerkbar. Als Konsument’innen und auf dem Arbeitsmarkt zeigten sie sich selbstbewusst und kritisch. Immer mehr junge Russ*innen gäben der Sinnhaftigkeit ihrer Aufgaben den Vorrang vor der Vergütung. Viele junge Deutsche dagegen suchten Arbeitsplätze, an denen sie die Sicherheit als Arbeitnehmer mit Möglichkeiten des unternehmerischen Gestaltens vereinen können.

Ob das „No more bla bla bla“ der Generation Greta nicht das typische Aufbegehren jeder jungen Generation sei, wie es Goethe und Schiller in ihrer „Sturm und Drang“-Phase nur etwas anders artikuliert hätten, war eine der Abschlussfragen des Moderators Jan David Ott (DRF). Oder stehe sie wirklich für eine ganz neuartige Zäsur? Sowohl als auch, schälte sich als Experten-Konsens heraus. Die Lücke zwischen dem Selbstbild und Gestaltungsanspruch der jungen Generationen einerseits sowie der Komplexität der globalen und inner-gesellschaftlichen Herausforderungen müssten durch den Willen zu kontinuierlichem Experimentieren und Lernen gefüllt werden.

Hier können Sie das Gespräch nachhören:

https://www.youtube.com/watch?v=KxCxykq63ug&t=2s